Dornbirn hat ein Stadtbad.
Kein „Miramare“, keine „World of Water“. Nein, ein Stadtbad. Unter diesem schlichten Titel präsentiert es sich als architektonische Persönlichkeit, die ohne Fantasienamen und Erlebnis-Versprechen das Auslangen findet.
 
„Wasser ist uns wertvoll genug“, so Architekten und Bauherrin. Man vertraute bei der Restaurierung den klassischen Grundtugenden eines Hallenbades: Schwimmen, Schwitzen, Speisen. Ganz im Sinne der beiden Architekten – Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur -, die mit ihren Bauwerken vorzugsweise Wesentliches, sorgsam und mit Nachdruck erzählen.
Die Eleganz von schwarzem Glas  und die herbe alchemistische Kraft der langsam nachdunkelnden Kupferfassade  ergeben eine seltsame Spannung zum unaufgeregten Titel.
Hinter der Kupferfassade, in sanfter Ironie zur optischen Form von Holzlatten gekantet, verbirgt sich – ganz introvertiert - Sauna, Umkleiden und Servicetrakt. Vergleichbare stilistische Zitate und Verweise finden sich noch im Schwarz-Orange der Umkleiden und dem Schrägdach, das als Erkennungszeichen erhalten wurde. 

Dieser feine Humor war auch schon in früheren Bauten von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur zu beobachten. Ähnlich subtil begegnet dem Besucher am Eingang eine fröhliche Paraphrase des Bades in Form eines großen Aquariums.

Weit öffnet sich hingegen der Eingang zu Vorplatz und Strasse und die erweiterte Schwimmhalle pflegt mit ihrer dreiseitigen Verglasung die Idee des „Schwimmens in der Stadt“.

„Was passiert, ist der Mensch.“ Und so bleibt es den Besuchern und dem Wasser überlassen, Leben in die präzis geschnittenen Raumfolgen zu bringen. Jedes optisch aufdringliche Detail, Umkleidekabinen, Handgriffe, Türgriffe, die übliche Unzahl an mahnenden Hinweisschildern wurden mit großer Sorgfalt durch intelligente Vereinfachungen ersetzt. Für die Beschriftung wurden sogar eigene Symbole entwickelt.

Stoff für psychologische Deutungen bietet die Lösung, wie der optische und akustische Lärm der obligaten Wasserrutsche in diese gartenhafte Weite eingefügt wurde. Statt dem üblichen Gewirr aus sonstwie blauen Kunststoffwannen wurde eine geschlossene Edelstahlröhre in einen 12m hohen schwarzen Turm verpackt. Als schwarzer Kubus ragt er aus der Halle über das Dach hinaus und zeigt nur einmal einen inszenierten Ausblick auf die Dornbirner Hausberge.  Umhüllt von Scheinwerferlicht und elektronischen Klängen gleitet man in einem „Geburtskanal“ hinab.

Ebenfalls kontemplativ der Saunatrakt. Nur fünf  Innenhöfe, kleine Stillleben in elementaren Farben und Materialien, geben dem langen Saunatrakt aus Tannenholz seinen Rhythmus. Kein Wall von Luxus baut sich da vor dem Besucher auf.

Die Stadtentwicklung setzt damit zu guter Letzt dem jüngst entstandenen Mulitfunktions-Paket an der Dornbirner Peripherie strategisch platzierte Ergänzungen im Zentrum entgegen: Hotel und Wellness versus Pflegeheim und Stadtbad?

 


Robert Fabach für Radio Vorarlberg - Kultur nach Sechs (6.Dez.2005)